Chirurgie
Eine Operation ist die wirksamste lokale Behandlung von Melanomen. Kleine Tumore (< 2 cm Durchmesser), die nicht an den darunter liegenden Gewebeschichten anhaften, gut abgrenzbar sind und langsam wachsen, sind eher gutartig und leicht zu entfernen. Große, schlecht definierte, schnell wachsende Tumore (> 2 cm) mit Ulzerationen sind oft schwerer zu entfernen.
Da Melanome so invasiv sind und sich schnell ausbreiten können, müssen sie mit weiten Rändern entfernt werden. Bei Melanomen, die am Zahnfleisch auftreten, ist es möglich, dass dabei ein Teil des Ober- oder Unterkiefers entfernt werden muss. Bei Melanomen an Wangen, Lippen oder Zunge ist eine Knochenentfernung oft nicht notwendig. Generell sollte je nach Tumorgrad ein Sicherheitsrand von 1 bis 3 cm mitentfernt werden (idealerweise 1 Gewebeschicht). Wenn nur unvollständige Ränder (Raum um den Tumor herum) erreicht werden können, sollte die Kombination einer Operation mit Strahlentherapie oder zusätzlichen Behandlungen wie Chemotherapie und Immuntherapie in Betracht gezogen werden – obwohl die Wirksamkeit von Chemotherapie und Immuntherapie gegen Metastasen noch untersucht wird.
Bei Hunden, bei denen der Ober- oder Unterkiefer teilweise entfernt wurde, ist die Lebensqualität normalerweise sehr gut, und die meisten Hunde fressen innerhalb von drei Tagen nach der Operation wieder selbständig.
Strahlentherapie
Melanome gelten als relativ unempfindlich gegenüber Strahlentherapie (obwohl viel vom Strahlentherapieprotokoll abhängt). Die Strahlentherapie gilt jedoch als wirksame Therapie zur lokalen Kontrolle des oralen Melanoms mit minimalen Nebenwirkungen bei Hunden. Die meisten Radioonkologen behandeln sowohl den Primärtumor als auch die regionalen Lymphknoten (Unterkiefer und Retropharynx). Typischerweise wird ein Areal von 2 cm um den Tumor oder die chirurgische Narbe bestrahlt.
- Kurative Strahlentherapie (mit Heilabsicht):
- Maligne Melanome sprechen im Allgemeinen gut auf eine Dosisfraktionierung an (mit insgesamt 6 Fraktionen, entweder einmal pro Woche für 6 Wochen oder zweimal pro Woche für 3 Wochen). Ob der Tumor auf die Behandlung anspricht, wird ziemlich schnell erkennbar (die Tumorgröße nimmt innerhalb von wenigen Wochen nach der ersten Behandlung ab). Oft ist dieser Rückgang jedoch nur vorübergehend. Das Auftreten eines Rezidivs hängt vom verwendeten Protokoll ab. Wenn nach der Bestrahlung mikroskopisch noch Krebszellen vorhanden sind, entwickeln 26 % der behandelten Hunde ein Rezidiv. Wenn noch mit dem freien Auge sichtbares Krebsgewebe vorhanden ist, entwickeln 45 % der behandelten Hunde ein Rezidiv. Bei mit Strahlentherapie behandelten Tumoren mit einer Größe von weniger als 5 cm3 waren die Ansprechchancen und die Überlebenszeit höher als bei größeren Tumoren.
Im Allgemeinen werden für die Strahlentherapie mittlere Überlebenszeiten von 4,5 bis 14,7 Monaten erreicht. Die Prognose verbessert sich, wenn der Tumor weiter vorne im Maul lokalisiert ist, keine röntgenologischen Hinweise auf Knochenbeteiligung vorliegen und nach der Behandlung keine mikroskopisch nachweisbaren Krebszellen mehr vorhanden sind. Die Nebenwirkungen der Strahlentherapie hängen von verschiedenen Faktoren ab, wie der verwendeten Gesamtdosis, der Dosis pro Fraktion und dem Gewebevolumen im Bestrahlungsfeld. Zu den schnell auftretenden Nebenwirkungen können Schwellungen der Schleimhäute, sowie leichte Entzündungen mit möglichen Schmerzen, Blutungen, Geschwürbildung und Gewebetod des Zahnfleisches, der Zunge und der Wangenschleimhaut gehören. Die behaarte Haut kann sich trocken anfühlen und es kann es zu einer Hautverdickung und Haarausfall kommen. Diese Nebenwirkungen verschwinden normalerweise innerhalb von 1-2 Wochen nach der Behandlung. Nebenwirkungen können auch zu einem späteren Zeitpunkt auftreten: Bei 1/10 Hunden wurde langfristig ein gewisser Knochenabbau beobachtet. Außerdem kann Strahlung paradoxerweise die Ursache für die Entstehung neuer Tumore sein.
- Palliative Strahlentherapie:
- Dies ist eine Form der Strahlentherapie, die nicht heilen, sondern den Krankheitsverlauf verlangsamen soll. Diese Behandlungsform wird hauptsächlich bei bereits metastasierten oder fortgeschrittenen oralen malignen Melanomen angewendet.
Chemotherapie
Bei Hunden mit malignem Melanom kann aufgrund des hohen Metastasierungsrisikos (bis zu 75 %) eine Chemotherapie angebracht sein. Chemotherapeutika können direkt in den Tumor oder intravenös verabreicht werden.
- Intraläsionale Chemotherapie (direkt in den Tumor):
- Die Informationen über diese Behandlungsmöglichkeiten sind eher anekdotisch. In den Tumor werden Implantate eingesetzt, die das Chemotherapeutikum Cisplatin freisetzen. Mit dieser Behandlung kann es bei bis zu 70 % der behandelten Hunde zu einer vorübergehenden Tumorreduktion, aber keiner Heilung kommen. Man kann auch Cisplatin in den Tumor injizieren und dann Elektroden am Tumor anbringen. Diese Elektroden liefern einen kleinen Schock, der vorübergehend Poren in den Krebszellwänden verursacht. Durch diese Poren dringt das Chemotherapeutikum in die Krebszellen ein, die daraufhin absterben. Letztere Behandlung (Elektrochemotherapie) ist noch keine Standardbehandlung in der Veterinärmedizin und kann nicht überall angeboten werden, da ein spezielles Gerät namens Elektroporator benötigt wird
(siehe Liste zur Elektrochemotherapie). Insgesamt scheint die Elektrochemotherapie bei Hunden, die keine Kandidaten für eine Operation sind, eine vernünftige Option zu sein. Die Ansprechrate ist ähnlich wie bei der Strahlentherapie.
- Systemische Chemotherapie:
- Die besten klinischen Wirkungen gegen orale maligne Melanome wurden bisher mit Chemotherapeutika wie Carboplatin und Cisplatin erzielt.
Allerdings hat sich die Chemotherapie bei Melanomen bisher nicht als sehr wirksam erwiesen.
Immunotherapie
Die Immuntherapie ist eine vielversprechende zusätzliche Behandlung für Hunde mit oralen malignen Melanomen. Bis vor kurzem war die beliebteste unterstützende/ergänzende Behandlung die Chemotherapie. Melanome sind jedoch nicht sehr empfindlich gegenüber einer Chemotherapie, was bedeutet, dass die Immuntherapie als alternative Methode, um die Vermehrung von Krebszellen zu stoppen, immer mehr an Bedeutung gewinnt.
Derzeit sind in Europa jedoch wenig immuntherapeutische Behandlungen verfügbar.
- Oncept®
- Das Melanom exprimiert das Pigmentierungsenzym Tyrosinase und seine Expression nimmt zu, wenn der Tumor wächst. Daher ermöglichen Behandlungen, die die Tyrosinase angreifen, auch einen Angriff auf Melanome. Oncept® ist ein therapeutischer Krebsimpfstoff, der eine fremde (menschliche) Tyrosinase produziert. Dieser Impfstoff lehrt das Immunsystem des Hundes, Melanomzellen besser zu erkennen und anzugreifen.
In einer Studie wurden 58 Hunde mit chirurgisch resezierten oralen Melanomen im Stadium II und III mit adjuvantem Oncept® behandelt und mit einer historischen Kontrollgruppe von 53 Hunden verglichen. Mit Oncept® behandelte Hunde hatten ein signifikant besseres Ergebnis: Die mediane Überlebenszeit für Hunde in der historischen Gruppe betrug 324 Tage, während die mediane Überlebenszeit in der geimpften Gruppe nicht bestimmt werden konnte, da nur 26 % der Hunde an den Folgen ihrer Krankheit starben. Allerdings ist bei der Interpretation dieser Ergebnisse Vorsicht geboten, da Hunde heute durch immer frühere Erkennung und bessere Behandlungsmethoden eine längere Überlebenszeit haben als früher. Dieser Impfstoff könnte als zusätzliche Behandlung bei einer minimalen Resterkrankung (wenn so wenig Krebsgewebe wie möglich vorhanden ist (z. B. nach einer Operation)) interessant sein, und dieser Ansatz wird noch untersucht.
- Pet Biocell
- ist ein deutsches Unternehmen, das personalisierte Krebsimpfstoffe herstellt. Bisher liegen keine großen Studien vor, die die Wirksamkeit dieser Behandlungsoption belegen.
- Elias Animal Health
- ist ein amerikanisches Unternehmen, das Krebsimpfstoffe herstellt und nach Verabreichung des Krebsimpfstoffs weiße Blutkörperchen sammelt. Wenn die weißen Blutkörperchen, die die Krebszellen spezifisch erkennen, in großer Zahl kultiviert werden, werden sie dem Hund zurückgegeben, um die Krebszellen effizienter abzutöten. Derzeit liegen keine Studienergebnisse für Melanome vor, nur für Knochentumoren (14 eingeschlossene Hunde, von denen 50 % der Hunde länger als ein Jahr und 36 % mehrere Jahre überlebten).